Frauenschönheit - Otto Ernst

In glühnden Worten,
In Liedern meist
Hab' ich gejubelt,
Wie schön du seist.

Du sahst im Spiegel
Dein Angesicht
Und glaubtest lächelnd
Dem Schwärmer nicht.

Wie sollte der Spiegel,
Das kalte Glas,
Dir sagen, was ich dir
Vom Antlitz las!

Nicht deinen Augen,
Nur andern quillt
Ein Born der Schönheit
Aus deinem Bild.

Was dir im Innern
Die Seele spricht,
Tritt durch dein Antlitz
Ans helle Licht.

Und weil dein Innres
So mild und rein,
Schmückt auch dein Antlitz
So holder Schein.

Ein Schlag des Herzens
In deiner Brust,
Ein leichter Seufzer,
Dir unbewußt, -

Ein Hauch der Liebe
Von deinem Mund
Tut deine Schöne
Bezaubernd kund.

Wie Sonnenschimmer,
Wie Windeshauch,
So naht der Zauber,
So flieht er auch.

Und kaum geschwunden,
Erfüllt er ganz
Dein Antlitz wieder
Mit neuem Glanz.

Doch nur dem Auge,
Von Liebe hell,
Rinnt dieser Schönheit
Geheimer Quell.

Nur jenem Auge,
Das sorgsam wacht
Ob deinem Leben
Bei Tag und Nacht,

Das selbst die Flammen
Der Sehnsucht zeigt,
Wenn's tief sich über
Dein Antlitz neigt, -

Nur ihm begegnet
So rein und ganz
All deine Schönheit
In flücht'gem Glanz.