Wintermorgen - Otto Ernst
O sterbensmüder Friede,
O düstres Morgengraun!
Wie ein Gefild des Todes
Ist diese Welt zu schaun.
Die kahlen Bäume schwanken,
Vom Morgenwind umkreist,
Als irrte durch die Kronen
Ein wahnverstörter Geist.
Ein Heer von Riesenwolken
Am Himmel drohend ruht
Gleich Wogen einer jählings
Im Sturm erstarrten Flut.
Am dunklen Morgenhimmel
Hängt noch der fahle Mond,
Ein kalter, bleicher Herrscher,
Der über Schatten thront.
Aus Tälern und aus Schlünden
Der Nebel wallt hervor;
Mit tausend Armen ringt er
Begierig sich empor.
Das wird ein trübes Leuchten,
Das dieser Tag uns bringt,
Weil solchen Duft der Erde
Die Sonne nicht durchdringt!
Dort steigt sie auf am Himmel
In lichtdurchsprühtem Dampf;
Sie wird das All durchwandeln
In ruhelosem Kampf.
Dann aber wird am Abend
Das Feld verloren sein,
Und sie wird untergehen
Mit blutigrotem Schein.
So will ich denn erharren
Aufgang und Untergang -
Auch mich umwogt das Dunkel;
Mein Kampf wird schwer und lang.
Und will von ihr es lernen,
Wie man im Kampf besteht
Und wie ein Held am Abend
Verblutend untergeht.
