An die Phantasie - Marie Itzerott
Laß mich leisen Schrittes treten
In die Zauberwelt,
Die aus deinem Strahlenauge
In mein Leben fällt.
Hold verklärt in deinem Lichte
Ist mein ganzes Sein,
Seit auf Glückes Rosenfittig
Du zogst schimmernd ein.
Holde Phantasie, du hehre
Wundertät'ge Fee,
Schließest leise alle Wunden,
Die ich bluten seh;
Holde Phantasie, des Himmels
Süßes Unterpfand,
Bist mir Glück, und bist mir Heimat,
Bist mir Vaterland!
Kann wohl der Gefang'ne sel'ger
Schau'n das Sonnenlicht,
Wenn's durch dunkle Kerkermauern
Mit der Freiheit bricht?
Kann die Mutter wohl ihr Kindchen
Sel'ger seh'n geschenkt,
Wenn mit Dankes heil'gen Tränen
Sie sein Köpfchen tränkt? - -
Holde Phantasie, verweile
Stets mit deinem Schein;
Und ich kann auf dieser Erde
Niemals elend sein!
Laß mich leisen Schrittes treten
In die Zauberwelt,
Die aus deinem Strahlenauge
In mein Leben fällt.
