Wundersam - Gustav Jahn
Wie ist so wundersam es doch
Um zweier Herzen Lieben!
Kein Sänger hats besungen noch,
Kein Dichter hats beschrieben.
Denn immer bleibt Lied und Gedicht
Nur außen an der Pforte;
Was drinnen, läßt sich sagen nicht,
Und faßt sich nicht in Worte.
Erst stand ich Dir so fremd und fern,
Und konnte harmlos scherzen;
Dann sah ich Dich ein wenig gern,
Dann gern von ganzem Herzen;
Und endlich hieb ich kühn darein,
Ein zweiter Alexander -
Und gestern war ich noch allein,
Und heut sind wir selbander!
Und heut kann ich nach Herzenslust
In Deinen Augen lesen,
Was gestern selbst Du nicht gewußt:
Daß Du mir gut gewesen.
Und wenn ich heut ins Aug Dir seh,
Wallt mir das Herz inwendig;
Vom Scheitel bis hinab zur Zeh
Wird all mein Blut lebendig;
Als ob, was ich nur hab und bin,
Herz, Seele, Leib und Leben
Auf möcht und eilend zu Dir hin,
Um sich Dir ganz zu geben!
Und all dies Glück, weil gestern noch
Ein Brieflein ich geschrieben:
Wie ist so wundersam es doch,
Um zweier Herzen Lieben!
