Amerikanisches Nachtgespenst - Minna Kleeberg
Schon sinken die Schatten
In schweigender Schwüle;
Du suchst im Ermatten
Das Lager, das kühle.
Kaum sinkst du auf's Linnen,
Da weckt's dich vom Traume -
Gespenster wohl spinnen
Im schattigen Raume.
Sie wallen und weben,
Sie flüstern im Grimme;
Die Lüfte erbeben
Vom Klang ihrer Stimme.
So nahen in Scharen
Die Krieger, die roten,
Mit flatternden Haaren,
Die Geister der Toten.
Den Pfeil, den gezückten,
Im Gürtel verborgen,
Im wampumgeschmückten, -
Das Auge voll Sorgen.
Der Fuß, der bestaubte,
Umschnürt mit Sandalen,
Mit Federn am Haupte, -
Das Auge voll Qualen.
So summt es und schwirret
In nächtlicher Klause;
Der Lauscher entwirret
Der Stimmen Gebrause:
"Erwache! Erwache!
Du Sproß jener Frechen!
Wir Geister der Rache,
Wir rächen, wir rächen.
Wir rächen am Sieger
Im Urwald das Jagen,
Wir rächen die Krieger,
Die Feuer erschlagen.
Ihr Blut ist geflossen
In rieselnden Bächen,
Und Blut sei vergoffen,
Wir rächen, wir stechen.
Nun wird uns're Macht kund
Zu Schrecken und Grausen,
Auf ewigem Jagdgrund
Zu summen, zu sausen.
Der Wigwam aus Zweigen,
Der Urwald, der dichte,
Der Tag ward zu eigen
Dem weißen Gesichte.
Du, Schläfer, sollst beben
Vom bleichen Geschlechte;
Wir heischen, wir heben
Tribut eurer Nächte!" -
So raunen die Schatten,
Die Rächer Manito's,
Die nimmermehr satten,
Die grimmen - Mosquitos.
