Heut war'n wir recht fröhlich - Johann Nestroy
Heut war'n wir recht fröhlich,
Ein Jungg'sell lebt selig;
Wär's nicht unausstehlich,
Wenn mich jetzt recht eh'lich
's Weib ausmachet schmählich,
Bis' einschlaft allmählich?
Das Zanken und Streiten
Zu Haus und vor'n Leuten
Is nicht zu vermeiden,
Man hört's oft von weiten,
Drum leisten die G'scheiten
Verzicht auf die Freuden.
Hab' oft schon gedacht,
Wann i ein' Eh'mann betracht':
So ein Leb'n wär' a Pracht,
Gute Nacht,
Gute Nacht.
Die Kindszimmerscenen
G'hörn auch nicht zu d' schönen;
Nicht alle Leut' können
An das G'säus sich g'wöhnen,
Wenn s' 's Jüngste abspennen
Und drei Größ're flennen;
Na wart, g'freu dich, Hansi,
Was raufst denn mit'n Franzi,
Was macht denn die Stanzi?
In Winkel dort lahnt sie,
Und alleweil want sie:
's sekiert mich der Hansi! . . .
Wie in einer Schlacht
Wird a Lärm da gemacht;
So a Leb'n wär' a Pracht,
Gute Nacht,
Gute Nacht.
Wenn d' Bub'n dann aufschießen,
So tut sie's verdrießen,
Daß s' lernen 'was müssen;
Woll'n s' 's Leben genießen
Die Lackeln, die süßen,
Der Vater kann's büßen.
Werd'n s' größer, die Töchter,
O Himmel gerechter,
A G'schwuf so a schlechter
Sagt, heiraten möcht' er,
Gibt s' Preis dem Gelächter,
Die ang'schmierten Töchter.
Wenn man das betracht't,
Und Gedanken sich macht,
So a Leb'n wär' a Pracht,
Gute Nacht,
Gute Nacht.
