Nach der Arbeit - Christian Adolph Overbeck
Nun wohl bekomm' es mir!
Ich bin auch endlich müde;
Doch süßer, süßer Friede
Liegt auf der Seele hier.
Ich hab mein Werk getan.
Nun ruhet aus, ihr Glieder!
Auf morgen ruf' ich wieder;
Dann gehts von neuem an.
Wie wohl ist mir zu Sinn!
Die Blumen alle winken,
Und wunderfreundlich blinken
Die Sternchen nach mir hin.
Der Abend ist so schön!
Mit ruhigem Gewissen
Kann ich ihn nun genießen,
Dann froh zu Bette gehn.
Wie würd' es anders sein,
Hätt' ich heut nichts gelesen,
Und wäre faul gewesen!
Mich würde nichts erfreun.
Beschämt würd' ich den Kopf
Auf Ellenbogen stützen,
Und in der Stube sitzen
Erbärmlich, wie ein Tropf.
Dann fragte mich Papa:
Wie ists? was kann dir fehlen?
Weißt du nichts zu erzählen?
Kein Wörtchen wüßt' ich da.
Dann käme Lotte her,
Und suchte mich mit Necken
Vom bösen Traum zu wecken;
Doch Lotte hin und her!
Verdrießlich würd' ich dann,
Mich ärgerten die Wände,
Und - und - ich fing am Ende
Wohl gar zu weinen an.
O wie ists doch so gut
Um Arbeit und Geschäfte!
Wie stärkt es Mut und Kräfte,
Wenn man was nützes tut!
Dank sei dem lieben Gott!
Er stärkte mich auch heute,
Daß ich den Fleiß nicht scheute,
Und ehrte sein Gebot!
Nun auch zum süßen Lohn
Getrost am Tisch gesessen!
Wer schaffet, darf auch essen.
Mich dünkt, ich schmeck' es schon.
