Bergfrevel - Gertrud Pfander
Auch du, mein Berg! — Es blieb dir nicht erspart.
Die Menschheit, die mit Größenwahn sich paart,
Hat unbarmherzig, ohne ein Gewissen,
Sich ihren Weg durch deine Brust gerissen.
Schmerzbebend starr' ich, edle Höh', dich an. —
O Hohn! Du Fels und eine — Zahnradbahn!
Ich schau erschüttert nach dem braunen Streifen
Quer über deinen grünen Sammetschleifen.
Wie warst du groß und frei in stolzem Mut! . . .
Auch du, mein Berg! — Ich weiß ja, wie das tut.
Gleich deinen Furchen grub auch mir die Gleise
Quer übers Antlitz freche Menschenweise.
Baut, grabt, reißt, schüttert, zerrt! — Es währt nicht lang.
Einst rollt die Felswand ihren Donnergang.
Und dann, Gezücht, dem keine Ehrfurcht lodert,
Beklagt euch nicht, wenn ihr im Schutt vermodert!
