Sturmes Wirken - Rosa Pontini
Wetterschwang're Wolken ziehen
Über's weite Firmament
Und die grellen Blitze fliehen
Aus dem wilden Element.
Und des Donners furchtbar Rollen
Mengt sich mit des Sturmes Grollen.
Doch des Morgens frischer Flimmer
Scheucht hinweg die Sturmesnacht
Und in doppelt prächt'gem Schimmer
Liegt der grünen Erde Pracht.
Frischer haucht die Blume wieder
Schöner klingen Vögleins Lieder.
So auch in der Menschen Herzen
Tobt gar oft der Stürme Wut
Und des Schicksals Schläge schmerzen
Brennender als Blitzesglut.
Ach, wie fließen dann die Tränen
Unaufhaltsam hin in Strömen!
Aber sind erst jene Stunden
Von des Herzens Unschuldsnacht
Fest und standhaft überwunden:
Wie das Leben hold uns lacht,
Wenn des Schöpfers weise Führung
Dann die Seele fühlt mit Rührung.
Denn geläutert für das Leben
Hebt sie sich aus Sturmeswut
Und ein schönes, edles Streben
Sprießt aus jener Tränenflut.
D'rum gedenkt in Sturmes Toben
An den blauen Himmel droben.
