Das kranke Mädchen - Robert Reinick
Es geht ein krankes Mädchen
Hin durch die Sommernacht;
Ihr Liebster ist gestorben,
Das hat sie so krank gemacht.
Es scheinen Mond und Sterne
Vom lichten Himmel her,
Und wie sie aufwärts schauet,
Da weint das Mädchen sehr.
Ach, könnt ich auf mich schwingen
In den lichten Himmel hinein!
Da würd' ich wiederfinden
Den Herzallerliebsten mein.
Du schöner lichter Himmel,
Erhör' mein heißes Flehn,
Senk' dich herab zur Erde,
Daß ich hinein kann gehn!
Und während sie's gesprochen
Aus ihres Herzens Grund,
Da war sie weiter gegangen,
Auf einer Brücke sie stund.
Und als sie schaute nieder
In die stille Flut hinein,
Sieht sie den Himmel drinnen
Und Mond- und Sternenschein.
Hab Dank, du lieber Himmel!
Du hast erhört mein Flehn,
Und bist zur Erden kommen,
Daß ich hinein kann gehn.
Es winkt der Mond so freundlich
Und jeder lichte Stern,
O Gott, und auch der Liebste
Aus weiter, weiter Fern'!
Ich komme schon, ich komme!
Du Erde, gute Nacht! -
Da haben die stillen Fluten
Sie in den Himmel gebracht.
