Wie die Rose rot ward - Caroline Gräfin Terlago

An dem stillen,
Heil'gen Morgen,
Da die Pflanzen
Aus der Hand des
Großen Bildners
Ihre Kronen
Bunt empfingen,
Brach dem jungen
Rosenstocke
Aus der grünen,
Vollen Knospe
Eine weiße,
Runde Blüte; —
Und die Blumen
Rings, die kleinen,
Seh'n neugierig
Auf zum Stock voll
Spitzer Dornen,
Der sich erst so
Kühnlich rühmte,
Er alleine
Sei zum Träger
Nur der Schönsten
Auserkoren; —
Und sie winkten
Sich einander,
Lispelten sich
Heimlich lächelnd:
Was für eine
Große, bleiche,
Ungeformte
Weiche Blume
Hat der Stolze
Nun zu tragen,
Nimmer wollen
Wir sie dienend
Ehren als die
Königin.
Doch da hebt mit
Einem Male
Aus dem dämm'rig
Roten Osten
Sich des lichten
Gottes Haupt.
Flammen strahlen
Seine Augen,
Wie er ge'n die
Höhen klimmend,
Hoffnung schimmernd,
Freude leuchtend
Seine ew'ge
Bahn erschaut;
Und er schüttelt
Seine gold'nen
Strahlenlocken
Jugendmutig,
Senkt das Auge
Auf die Erd', die
Neubekränzte;
Schauet auch im
Tiefen Schatten
Sinnend steh'n das
Liebe Röslein;
Und wie er mit
Warmem Blick
Feurig golden
Sie betrachtet,
Quellen rote
Purpurwogen
In der Blüte
Bleiche Blätter,
Und errötend
Neigt die Rose
Schüchtern hold ihr
Angesicht. —