Luftschloß - Adolf von Tschabuschnigg
Stand ein Schloß mit blanken Zinnen
Stolz im allerschönsten Tal,
In die Fenster gleich Rubinen
Fiel der Morgensonne Strahl.
Schlanken Säulen alter Weise
Paarte sich die Maurenzeit,
Unter gotisch buntem Kreise
Flog der Bogen kühn und weit.
Und das Schönste aller Zeiten,
Jeden Alters Zier und Pracht,
Schien um hohen Preis zu streiten
Wie in tausend einer Nacht.
Im verborgensten der Zimmer
Weilt' ein Mägdlein seltner Art,
Locken trugen Goldes Schimmer,
Wange war wie Rosen zart.
Und ein Minstrel, Sohn der Lieder,
Saß an ihres Schemels Rand,
Sah empor und sang es wieder,
Was in ihrem Antlitz stand.
Aber einst an einem Morgen
War das Schloß in Schutt zerstreut,
Unter Trümmern lag verborgen,
Was sonst Aug' und Herz erfreut.
Durch Ruinen irrt der Sänger,
Läßt nicht was er fromm geliebt,
Fester währt die Treu' und länger
Als das Glück, zu leicht getrübt.
Und er singt vom schönen Leben
Eine Sage wunderbar,
Lächelt leis', als säh' er schweben
Einen Engel licht und klar.
