Das Veilchen - Mathilde Wesendonck
Hoher Maler von Beruf
Stieg der Lenz zu Tal,
Als er einst das Veilchen schuf
Früh am Morgenstrahl.
Mischt des Äthers reines Blau
Und des Purpurs Blut,
Mit der Welle Silbergrau
Aus der klaren Flut.
Formte dann mit regem Fleiß
Blättchen, rundlich zart,
Um den Kelch in frohem Kreis
Schwesterlich geschart.
Haucht' ihm seines Odems Weh'n
Ein im Flammenkuß,
Daß, so lange Welten stehn,
Veilchen duften muß.
Seines Geistes Stempel drückt
Er dem Kelche ein,
Daß, wer nun ein Veilchen pflückt,
Wähnt im Lenz zu sein.
