Der Sommer - Mathilde Wesendonck
Die Sonne scheint so golden,
Die Wolken stoben weg,
Und üpp'ge Blütendolden,
Sie hangen über'm Steg.
Weiß nicht wohin nun wenden
Den lichtbeschwerten Blick,
Es flammt von allen Enden
Mir Farb' und Duft zurück.
Geblendet sind die Augen
Und fallen beinah' zu,
Der Glanz will mir nicht taugen,
Ich such' im Grase Ruh'.
Und droben in den Zweigen,
Da hüpft ein Vögelein,
Das singt ein Liedlein eigen
Voll wonniger Melodei'n.
Aus allen Halmen schlüpfet
Geflügelt Volk hervor,
Es summet und es hüpfet
Mir kreisend um das Ohr.
Ich lege sacht' mich nieder,
Vom tollen Schwarm umsummt,
Der Schlaf löst mir die Glieder,
Das Vöglein ist verstummt.
